Hier finden Sie die folgende Artikel

Das Programm 2016/17 ging im März 2017 zu Ende. Nun wird das neue Programm 2017/18 entwickelt, das voraussichtlich im September 2017 beginnen wird.

Zum Nachlesen lassen wir die Berichte aus dem zu Ende gegangenen Programm 2016/17 noch im Anschluss stehen, bevor sie später ins Archiv übertragen werden.



Mitgliederversammlung 2016

Das Programm 2016/17

16 Jahre TQT und 10 Jahre TQT e.V. Ein Blick zurück

Rückblick: Matinee mit Prof. Dr. H. G. Schöttleram 20.11.2016

Rückblick: Matinee mit Dr. Herbert Lindenlauf am 11.12.2016

Rückblick: Matinee mit Klaus Prömpers am 15.01.2017

Rückblick: Matinee mit Prof. Dr. Annette Treibel am 12.02-2017



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Mitgliederversammlung wählt neuen TQT-Vorstand

Auf der Mitgliederversammlung am 26. Oktiober 2016 wählte der Verein laut Satzung einen neuen Vorstand. Namen und Aufgaben der neuen und alten Vorstandsmitglieder finden Sie unter <Über uns - Der Vorstand>. Einen Ansprechpartner aus dem Vorstand finden Sie unter <Kontakte - Ansprechpartner>.



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Das Programm 2016/17 endete im März 2017


Und das waren die Themen im sechzehnten Jahr des TQT und im zehnten Jahr des TQT-Vereins:

Die Matineen im Oktober und November 2016 betrafen Gedanken zum Lutherjahr.

Im September 2016 und im Januar 2017 ging es um politische Themen: Friedensbemühungen in Palästina und Gedanken zum Wahlausgang in den USA.

Die Themen im Dezember 2016 und Februar 2017 schauten auf das Einwanderungsland Deutschland und darüber hinaus: Integration (im Februar) und (In-)Toleranz monotheistischer Religionen; die März-Matinee zur Frage ob das in der Medizin Machbare auch moralisch-ethisch verantwortbar ist, fiel leider wegen Krankheit der Referentin aus.

Alle Themen sind sind archiviert, sodass Sie sie im Archiv nachlesen können.

Das nächste Politische Gebet wird am 25 April 2017 das Thema Angst - Lähmung oder Chance aufgreifen.

Wir vom TQT freuen uns, wenn Ihnen die eine oder andere Matinee gefallen hat und hoffen auf ein Wiedersehen zum Programm 2017/18, das voraussichtlich im September 2017 beginnen wird.


Wie in den vergangenen Jahren erhalten Sie - falls Sie sich für den TQT-Service entschieden haben - etwa eine Woche vor jeder Veranstaltung eine E-Mail mit der Ankündigung und einer Kurzinformation.



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Ein Blick zurück

16 Jahre TQT und 10 Jahre TQT e.V.

Das TQT- Halbjahresprogramm 2016/17 ist beendet. Nun arbeiten wir am neuen Halbjahresprogramm 2017/18, das voraussichtlich im September 2017 beginnen wird.

Der Abschluss eines Programms gib Anlass zurück zu schauen:

Im Jahr 2000 hatte der Religionslehrer und Priester Hermann Münzel die Idee, eine "Arbeitsgemeinschaft Theologisches Quartett" zu gründen. Dazu schrieb er am 17.07.2000 insgesamt 18 Menschen an mit der Bitte, in dieser Arbeitsgemeinschaft mitzuwirken. Vier der acht heutigen Vorstandsmitglieder sind seit der ersten Stunde dabei.

Im Jahr 2000 fand die erste Matinee mit dem französischen Bischof von Partenia,
Jacques Gaillot nach dem Muster eines Quartetts statt: Nach dem Vortrag diskutieren zunächst die Referentin/der Referent und drei weitere "Fachleute" an einem Podium über das Thema. Anschließend werden die Zuhörerinnen und Zuhörer in das Gespräch einbezogen.

Als im Jahr 2006 der Gründer Hermann Münzel starb, führten die Freunde das TQT weiter und gründeten den Verein "Theologisches Quartett Trier e.V.", der nun schon seit 10 Jahren gut besuchte Matineen anbietet.

Wegen der starken Beteiligung der Zuhörerinnen und Zuhörer an den Diskussionen wurde inzwischen auf die vorangestellte Podiumsdiskussion verzichtet.

Das TQT besteht seit seiner Gründung nun 16 Jahre und als Verein schon 10 Jahre. In dieser Zeit wurden jedes Jahr sechs oder sieben Matineen organisiert, insgesamt fast 90 Matineen. Das Archiv weist alle Matineen seit 23. 09. 2001 nach, und seit November 2006 werden im Archiv auch die Vortragskurzfassungen oder auch Manuskripte aufbewahrt.



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Der Referent, Dr. Heinz-Günther Schöttler, em. Professor für Pastoraltheologie an der Universität Regensburg, war zuvor u.a. Leiter des Theologisch-Pastoralen Instituts in Mainz, Lehrbeauftragter der Theologischen Fakultät Trier und auch Gemeindepfarrer in Farschweiler-Herl. Er ist daher in Trier und der Region vielen noch gut bekannt.



Prof.Dr. H.-G.-Schöttler

Katholisch oder evangelisch: Was soll's?

500 Jahre Trennungsgeschichte bereichern!

Ein Bericht über die Matinee vom 20.November 2016 mit Prof. Dr. Heinz-Günther Schöttler aus Regendburg von Dr. Herbert Lindenlauf .


Wie schon im Oktober, stand auch die Matinee des TQT am 20. November im Zeichen der 500-Jahr-Feier der Reformation. Prof. Dr. Heinz-Günther Schöttler (Regensburg) sprach aus katholischer Sicht über das Thema „Katholisch oder evangelisch: Was soll’s? 500 Jahre Trennungsgeschichte bereichern!“



Dieser Umstand sowie die provozierende Formulierung des Themas sorgten für einen regen Zuspruch. So war das Auditorium mit über 70 Zuhörerinnen und Zuhörern gut besetzt. Sie wurden für ihr Kommen mit teils neuen, teils vergessenen, oft überraschenden und herausfordernden Einsichten belohnt.



Die Vielfalt des biblischen Zeugnisses hat zur Folge, dass das Christentum in verschiedenen konfessionellen „Formaten“ gelebt wird, die sich gegenseitig beeinflussen. Der Referent würdigte die gegenseitige Beeinflussung der katholischen und der reformatorischen Kirchen als „heilsame Provokation“ und benannte beispielhaft drei Aspekte, in denen die katholische Kirche heute die Möglichkeiten unterschreite, die sich aus dem Reichtum ihrer eigenen Tradition und aus dem biblischen Befund ergeben: die Bedeutung des Wortes Gottes, das Amtsverständnis und das Verhältnis der Kirche zu der Reich-Gottes-Botschaft Jesu.

So bleibe die Überordnung der eucharistischen Feier (der Messe) über die Wort-Gottes-Feier hinter der verbreiteten Auffassung der Kirchenväter von Ambrosius über Hieronymus bis Augustinus zurück, die von einer Gleichrangigkeit der Wort-Gottes-Feier und der Eucharistie ausgingen, indem sie das Wort Gottes als „Speise“ zu dem eucharistischen Leib Christi in Parallele setzten und dem Wort und der Verkündigung sakramentalen Charakter zuerkannten.

Im Blick auf das kirchliche Amt und den Verkündigungsdienst sah der Referent die katholische Kirche an einem sakramental-priesterlichen Verständnis festhalten, das in der Antike die Enkulturation des Christentum erleichterte, in der Gegenwart aber nicht mehr angemessen und dem Neuen Testament grundsätzlich fremd sei. In des Wortes ursprünglicher Bedeutung seien alle Christen „Laien“, nämlich Glieder des „Volkes“ Gottes; die Unterscheidung von Priestern und Laien sei darum fatal.

Kritisch bewertete der Referent schließlich auch die Tendenz zur Verkirchlichung des Glaubens. Jesus habe die Nachfolge nicht „an die Kirche“ gebunden (vgl. Markus 9,38-40); Kirche sei vielmehr „Zugabe“ (Matthäus 6,33) zum Reich Gottes. Die katholische Kirche müsse lernen, ihren Sinn nicht in sich selbst, sondern in ihrer Relation zu der Reich-Gottes-Botschaft Jesu zu sehen. Bei Luther und in den Kirchen der Reformation ließe sich überdies entdecken, dass und warum der Mensch als Einzelner im Glauben vorkommt und nicht durch die Kirche vertreten werden kann.

Das Christentum – so lautete das Fazit des Vortrags – ist von seiner Entstehung her plural und in seiner Identität divers. Pluralität stehe nicht in Konkurrenz zur Wahrheit, denn Wahrheit ist als je meine Wahrheit immer relational und fragmentarisch. Vereinheitlichung könne daher kein erstrebenswertes Ziel der Kirchen sein, sondern nur die gegenseitige Anerkennung in versöhnter Verschiedenheit.



Die anschließende, angeregte Frage- und Diskussionsrunde gab Gelegenheit, einige Thesen des Vortrags im Blick auf die heutige und zukünftige kirchliche Praxis und das Verhältnis der Religionen zueinander zu vertiefen. Dabei zeigte sich eine breite Zustimmung zu den Ausführungen des Referenten, was auch im starken Applaus des Auditoriums zum Ausdruck kam.



während der Diskussion

Umrahmt wurde die Veranstaltung von Klaus-Jakob Vleeming (Posaune, Gesang) und Bernhard Nink (Klavier) mit einem Spiritual, einem Luther-Choral („Ach Gott, vom Himmel sieh darein“ in der Bearbeitung von Joh. Ludwig Krebs) und dem Chanson „C’est si bon“ – womit das Fazit des Vortrags auf humorvolle musikalische Weise unterstrichen wurde. Das Publikum dankte den Musikern mit herzlichem Beifall.



Klaus-Jakob Vleeming

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Zwischen Gottesstaat und Glaubensfreiheit

Der Referent stellt dankenswerte Weise sein Manuskript für die Dokumentation zur Verfügung. Daher verzichten wir an dieser Stelle auf eine Zusammenfassung des Vortrags und zeigen hier nur Bildimpressionen zur Matinee.

Das Manuskripk finden Sie HIER.

Den Ankündigungstext lesen Sie HIER.





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Amerika hat gewählt - Was nun, Europa?

Eine Zusammenfassung von Norbert Bogerts, Matineebesucher.

Detlef Hein führte ins Thema ein.

Er zeigte Narzismus bei Trump auf. Er zitierte auch den bekannten linken Filmemacher Michael Moore, der die Wahl Trumps angekündigt hatte mit u.a. der Begründung, dass man nicht die Fähigkeit der Wähler unterschätzen solle, Blödsinn anzustellen, wozu die Wahlkabine sehr geeignet sei, da es dort keine Überwachungskameras, keine Abhörgeräte, keine Ehepartner, keine Kinder, keinen Boss, keine Polizisten gäbe, nicht einmal ein Zeitlimit.



Detlef Hein

Des weiteren verwies er auf eine Meinungsumfrage in den USA vor den Präsidentschaftswahlen, nach der fast ein Viertel der jungen US-Bürger einen weltzerstörenden Meteoriteneinschlag Clinton oder Trump vorziehen würden; sowie auf eine Studie, laut der 39 Prozent der Option zustimmten, dass sich Barack Obama zum Präsidenten auf Lebenszeit ernennt; 26 Prozent würden sogar eine Lotterie zur Bestimmung des nächsten Staatsoberhaupts befürworten.

Aus diesen Fakten leitete er als aktuelles Problem eine Beziehungslosigkeit zum Politischen ab.

Und nach einer Vorstellung des Referenten Klaus Prömpers bat er diesen ans Mikrofon.



Prömpers nannte andere Gründe für die Trump-Wahl:

Es gebe schon seit der Bush-Junior-Wahl eine zunehmende Strömung, die ihre Wurzeln bei den Weißen Evangelikalen des Mittleren Westens habe.

Trump habe wohl Recht, wenn er sage, dass er auch gewählt würde, wenn er polarisiere, provoziere und verbale Entgleisungen einsetze: Original Trump-Zitat: "Wussten Sie das schon? Ich könnte qua-si mitten auf der 5th Avenue stehen und jemanden erschießen, und würde trotzdem keine Wähler verlieren. Okay?! Das ist unglaublich!"

Bis zu 80 Prozent der Aussagen Trumps im Wahlkampf waren belegbare Lügen.

Aber er wurde nur von knapp 25 Prozent der Wahlberechtigten gewählt (was allerdings bei US-Präsidentschaftswahlen nichts Außergewöhnliches ist).



Klaus Prömpers

Trumps Präsidentschaft bringt Unsicherheit. Seine Wahlkampfaussagen lassen auf eine inkohärente Politik schließen:



Er rüttelte an den Prinzipien der NATO, indem er sie als "überflüssig" bezeichnete.

Er steht für einen Isolationismus, z.B. im Handel, siehe seine ablehnende Haltung zu TTP, TTIP; NAFTA.

Den Sinn des Atomwaffenvertrages versteht er nicht, wenn er z. B. Japan und Südkorea auffordert, sich Atomwaffen zuzulegen.

Mit seinem Telefonat mit Taiwans Präsidentin stellte er die Ein-China-Doktrin in Frage, was Peking als äußerst gefährlich einschätzt.



All dies und noch mehr veranlasste Merkel, Donald Trump die Zusammenarbeit dann anzubieten, wenn er die "gemeinsamen Werte" (Demokratie, Freiheit, den Respekt vor dem Recht und der Würde des Menschen unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder politischer Einstellung) achte. Folglich hält sie es für möglich, dass Trump diese Werte nicht teilt. 



Auch Europa steht 2017 vor Richtungsentscheidungen

Niederlande: Parlamentswahlen im März. Die Partei des Rechtspopulisten Wilders liegt nach Januar-Umfragen deutlich vorne.

Frankreich: Präsidentschaftswahlen im April und Mai. Sollte Marine Le Pen Präsidentin werden, wäre das das Ende der Europäischen Union.

In vielen Ländern der EU werden rechtsradikale nationalistische Parteien immer stärker, so die AfD in Deutschland, aber auch in Dänemark, Schweden, Finnland, Österreich, Portugal, Spanien u.a.

Wahlen in Bulgarien und Tschechien können zu Ergebnissen wie in Polen und Ungarn führen.

Ab März 2017 soll der Brexit verhandelt werden.

Das TTIP-Abkommen kommt in nächster Zeit nicht zustande. Wenn es dem Westen nicht gelingt die globalen Handelsnormen zu bestimmen, sondern z. B. die BRICS-Staaten diese festlegen, sieht es für unsere ökonomische Zukunft düster aus.



Was ist von Trumps Präsidentschaft zu erwarten?

Da er - wie oben erwähnt - im Wahlkampf viel gelogen hat, weiß man nicht, was kommen wird. Da sind die Personen seiner Regierungsmannschaft aufschlussreicher. Zu nennen sind:



Jared Kushner, sein Schwiegersohn, er gehörte zu den wichtigsten Beratern während der Wahlkampagne, insbesondere bei der digitaler Kommunikation. Trump ernannte ihn jüngst zu seinem Senior-Berater ("Senior Advisor to the President of the United States"). Er tickt ähnlich wie sein Schwiegervater, ist jüdischer Herkunft. Ob es ihm allerdings gelingen wird, den Nahostkonflikt zu beruhigen, wie Trump hofft, ist wohl mehr als zweifelhaft.

Trumps Chefstratege im Weißen Haus wird Steve Bannon, bisher Chef der rechtspopulistisch-rechtsradikalen Meinungs-Website Breitbart News Network.(breitbart.com).

Viele Minister Trumps sind in der Politik berufsfremd (Außen-, Wirtschaftsminister), sie waren nie politisch tätig, sondern Wirtschaftsmanager. Sie haben ein Vermögen von 10,5 Mrd. US-$, das ist so viel wie 43 Mio. US-Haushalte an Vermögen besitzen. Die Schere zwischen Arm und Reich wird wohl weiter auseinandergehen. Ihre Politik wird sich wohl nach dem Trump-Wahlkampfslogan "Buy American, Hire American" richten. - Rex Tillerson, bis 31.12.16 noch CEO und damit Vorstandsvorsitzender des Erdölkonzerns Exxon Mobil (und somit mit verantwortlich für Katastrophe der Exxon Valdez, als der Öltanker 1989 vor Alaska auf Grund lief und damit eine Ölpest und eine der größten Umweltkatastrophen der Seefahrt auslöste). Trump machte ihn zu seinem designierten Außenminister. Im Gegensatz zu Trump weiß Tillerson jedoch, dass der Klimawandel keine chinesische Erfindung, sondern anthropogen bedingt ist.

Wie werden die Beziehungen zu Russland werden? Ist Trump wegen seines angeblichen Sexskandals in Moskau erpressbar? Warum war Putin pro Trump? Entweder wird es zu einer neuen Konfrontation kommen, z. B. wegen der Krim-Annexion. Oder gelingt es Trump ähnlich wie Reagan mit Gorbatschow, eine sinnvolle Vertragspolitik zu gestalten? Tillerson kritisiert Putins Verhalten in Syrien (Aleppo), gibt aber keine Antwort auf die Frage, ob Putin Kriegsverbrecher sei.

Der zukünftige Justizminister, der erzkonservativen Senator Jeff Sessions, ist wegen seiner rassisti-schen Sprüche und seiner Nähe zum Ku-Klux-Klan bekannt.

Als Minister für Wohnungsbau und Stadtentwicklung ist der fachfremde Neuro-Chirurg Ben Carson vorgesehen.

Trump sieht die UN kritisch. Die USA finanzieren als wirtschaftsstärkte Nation der Welt die UN mit 10 Mrd. US-$ im Jahr; Kürzungen sind denkbar. Überraschend kommt daher die Ernennung von Nikki Haley (Tochter indischer Einwanderer, Gouverneurin von South Carolina) zur UNO-Botschafterin.

Verteidigungsminister wird der Ex-General James Mattis, ein Hardliner mit dem Beinamen "Mad Dog". Für sein Amt benötigt er eine Sondergenehmigung, da Ex-Militärs eigentlich sieben Jahre lang keine politischen Ämter übernehmen dürfen. Mattis weicht durchaus von Trumps Meinungen ab, z. B. sieht er die NATO als unauflösliches Verteidigungsbündnis; seine Atomwaffenposition ist moderater als die Trumpsche, außerdem hält er das Iranabkommen, das dem Iran den Bau von Atomwaffen untersagt, für gut.



Was bedeutet dies für Europa?

Europa muss sich auch die Frage stellen, was es in Zukunft will: Das, was die EU-Väter wollten, Frieden, kein Kampf um die Rohstoffe etc. Oder eine Renationalisierung mit all ihren Problemen und Konflikten?

Jeder sollte sich einbringen und dazu beitragen, dass die ursprünglichen Ideen wieder zum Glänzen kommen.

In der abschließenden Diskussionsrunde vertrat Prömpers die Ansicht, dass selbst alte Freundschaften aufgekündigt werden müssen, wenn trotz Meinungsaustausch der Freund z.B. für die AfD in ein Parlament einziehen wolle.

Zur TTIP-Problematik ergänzte er, dass die Politik viele Fehler gemacht habe (z. B. die Geheimniskrämerei, die ursprünglich vorgesehenen Schiedsgerichte), dass es auch noch viel zu überarbeiten gebe, ähnlich wie bei CETA, ein solches Abkommen aber für uns sehr wichtig sei.

Insbesondere warb Prömpers dafür, sich in die Politik einzubringen, sich zu informieren, auch zur Kenntnis zu nehmen, was Rechtspopulisten schreiben (z.B. Jürgen Elsässer in seinem Blog) und sich offen mit ihnen auseinanderzusetzen.



Musikalisch umrahmt

wurde die Matinee vom UBI-Trio (Irmgard Brixius, Flöte; Ulrich Junk, Klarinette; Bernhard Nink, Klavier).



Das Manuskript

Der Referent stellt dankenswerter Weise sein Manuskript zur Veröffentlichung zur Verfügung. Das sehr umfangreiche Schriftstück veröffentlichen wir ungekürzt im Archiv.

Sie finden das Manuskript HIER.



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Integration ins Einwanderungsland Deutschland

- Ein Projekt für alle

Gliederung des Vortrags:

1. Vorbemerkung
2. Deutschland als Einwanderungsland
3. Integration – zwei Perspektiven
4. Deutsch kann man auch werden
5. Zusammenleben im Einwanderungsland:
. Konflikte und Kooperationen
6. Schluss-Statement



Frau Prof. Dr. A. Treibel während des Vortrags

1 Vorbemerkung

Als Wissenschaftler kommt man meist auch aus persönlichen Motiven zu seinem Forschungsschwerpunkt, ohne, dass darüber viel gesprochen wird.

Frau Treibel hat eine eigene Migrationsbiografie; sie war Binnenmigrantin: Von Baden nach Württemberg und von dort nach Nordrhein-Westfalen, ins Ruhrgebiet. Dabei erfuhr sie mehrfach Ausgrenzungen und macht Fremdheitserfahrungen, die sie auf ihren Forschungsschwerpunkt “Migrationsforschung“ brachten. Sie veröffentlichte 2015 das Buch „Integriert Euch! – ein Plädoyer für ein selbstbewusstes Einwanderungsland“, in allgemein-verständlichem Deutsch, denn es ist ein Buch an Nicht-Fachwissenschaftler. Es ist eine soziologische Antwort auf das Buch von Thilo Sarrazin „Deutschland schafft sich ab“.

2 Deutschland als Einwanderungsland

USA und Kanada sind klassische Einwanderungsländer. Die USA sind dabei, sich als Einwanderungsland zu verabschieden. Das belegt, dass der Status „Einwanderungsland“ nichts Statisches, sondern prozessbezogen ist. So ist es auch in Deutschland. Trotz Protesten gegen ein „Einwanderungsland Deutschland“ sind wir de facto eines - auch wenn es bisher noch kein Einwanderungsgesetz gibt - und zwar ein Einwanderungsland neuen Typs.

Wie in jeder Wissenschaft sind auch in der Soziologie Fachbegriffe unverzichtbar:

„Ausländische Wohnbevölkerung“ in Deutschland sind Menschen ohne deutschen Pass. Das waren in 2014 10 % der Bevölkerung = 8,2 Mio. Menschen, die sich unterschiedlich auf die Bundesländer verteilten. So betrug ihr Anteil z.B. in Baden-Württemberg, Berlin, Bremen und Hamburg zwischen 12 und 14 %; in Niedersachsen, Rheinland-Pfalz zwischen 7 und 10 %.

Menschen mit „Migrationshintergrund“ waren in 2015 20,3 % der Wohnbevölkerung = 17,1 Mio. Einwohner. In Mainz waren es 30 %, in Stuttgart 40 %, in Rostock lediglich 7 %. Bei Kindern und Jugendlichen waren es 27 bis 30 %. Ostdeutschland hat keine Einwanderungserfahrung wie der Westen.

Zu unterscheiden sind, wie die Grafik zeigt:



Zu unterscheiden sind:

I. Zugewanderte Ausländer,
II. Ausländer der 2. oder 3. Gebneration,
III. Spätaussiedler und eingebürgerte Zuwanderer,
IV. in Deutschland beborene Kinder mit deutschem Pass und mindestens einem Elternteil der Gruppe I, II oder III



Vergrößern: Ins Bild klicken

7,8 Mio. Menschen mit Migrationshintergrund sind Ausländer;
9,3 Mio. mit Migrationshintergrund sind Deutsche (Kinder bzw. Enkel von Eingewanderten).

Zum Migrationshintergrund werden mehrere Fragen debattiert:
• Wie wird die Eigengruppe definiert?
• Was sind Selbstbilder im Alltagsleben?
• Wann endet der Migrationshintergrund?
• Wären begriffliche Alternativen besser („Einwanderer und Nachkommen“)?

3 Integration – zwei Perspektiven

3.1 Alltagsperspektive: Sarrazin spricht von „Integrationsverweigerern“, ein negativ besetzter Begriff.
3.2 Wissenschaftliche Perspektive: „Sozialintegration“ bedeutet Eingliederung (z.B. durch Beruf oder Heirat); „Systemintegration“ beschreibt den Zusammenhalt des Gesamtgebildes wie aus der Vogelperspektive.

Grundlagen eines weiteren Integrationsprozesses:
• Wechselseitigkeit: Beide Seiten gehören zur Integration.
• Prozess-Perspektive: Wie lange dauert die Integration?
• Soziologische Normalität von sog. Binnenintegration (Frau Treibel ist z. B. integriert ins Gebilde der Akademiker, nicht in das der Schützenvereine) bzw. Entstehung von Parallelgesellschaften (auch Reiche kapseln sich ab).

Anpassungsschleusen:
Hier ist Geduld erforderlich. Manche Viertel der deutschen Einwanderer in den USA, zum Beispiel in Chicago als „Little Germany“ bezeichnet.

Integrationsparadox:
Wenn Integration stattfindet, ist es häufig auch nicht recht: Einwanderer sollen sich z. B. anpassen, aber keine Deutschen werden.

Das Buch „Integriert Euch!“ ist ein Plädoyer, Integration als ein Projekt für alle Beteiligte zu verstehen; für „Alte Deutsche“, „Neue Deutsche“ und auch „Neuere Deutsche“.

Auch die „Alten Deutschen“ stehen vor der Herausforderung, sich in das Einwanderungsland Deutschland zu integrieren. Dazu gehört das Bewusstsein, dass man auch deutsch WERDEN kann.

Eine Herausforderung für alle ist das zukünftige Verhältnis zwischen Alten, Neuen und Neueren (Flüchtlinge) Deutschen.

4. Deutsch kann man auch werden

Fußballbereich:
• Alte Deutsche sind z. B. Thomas Müller; Birgit Prinz.
• Neue Deutsche: Mesut Özil, Dzsenifer Marozsán.

Oft schließen Menschen dieser Gruppen sich organisatorisch zusammen, z. B. Neue Deutsche Medienmacher: s. www.vielfaltfinder.de

Weitere NDOs (Neue Deutsche Organisationen):
• Initiative schwarze Menschen in Deutschland
• IAF: Verband binationaler Familien und Partnerschaften e. V., ursprünglich Initiative der mit Ausländern verheirateten deutschen Frauen.

5. Zusammenleben im Einwanderungsland: Konflikte und Kooperationen jenseits der medialen Diskurse

Konflikt
gibt es in privaten und beruflichen Beziehungen.

Der Sinn von Konflikten in soziologischer Perspektive ist ihre friedliche Austragung, denn sie stiften gesellschaftlichen Zusammenhalt. Konflikten liegt oft ein Streit um Hierarchien und Definitionsmacht zugrunde, so z.B. in der Herkunftsfrage (Migranten möglichst nicht mit der Frage „Woher kommen Sie?“ überfahren), aber auch bei Moscheebauten.

Beispiele für Kooperationen:
• Umgang mit Integrationsverweigerern ohne Migrationshintergrund: hier ist Gesprächsbedarf.
• Thematisierung scheinbar langweiliger Integrationserfolge, auch in den Medien erforderlich.
• Erfahrungen in der Integrationsarbeit kommunizieren.
• Anlass zu Selbstbewusstsein als Einwanderungsland: In den letzten Jahren gab es erfolgreiche Integrationsprozesse.

6 Schluss-Statement

Deutschland steht nicht bei Null, sondern hat vielfältige Erfahrungen mit Migration und Integration. Dies ist als Ermunterung zu Debatten und Positionierungen zu verstehen. Selbstverständlich gibt es sowohl positive als auch negative Erfahrungen.





Als Moderatorin begleitete Elisabeth Maximini die Matinee. Sie führte in die Thematik ein, stellte die Referentin vor und moderierte die anschließende Diskussion.



Elisabeth Maximini moderiert die Matinee

Für die musikalische Umrahmung der Matinee sorgten Bernd Nink (Klavier) und Klaus-Jakob Vleeming (Posaunee) mit den Stücken
- Guantanamera (traditional)
- What the world needs now is love (Komponist unbekannt)
- Midnight in Moscow (traditional)



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